Mit der Schafherde im Emmental unterwegs
05.03.2025 Wynigen, RegionWährend den Wintermonaten von Ende November bis Mitte März sind an die 30 Schaf-Wanderherden mit ihren Hirten im Mittelland und Jura unterwegs. Eine davon ist momentan in den Wynigenbergen anzutreffen. Tinu Schneider ist einer dieser Schafhirten und zieht mit 400 Schafen durchs Land.
Schafe hüten will gelernt sein
Dies weiss auch der erfahrene Schafhirte Tinu Schneider. Obschon er als junger Bursche zur Betreuung von Kuhherden gerne auf der Alp weilte und trotz einer späteren Ausbildung zum Zimmermann sowie einem Studium zum Umweltingenieur mit eigener Firma, gibt er in seiner bescheidenen Art zu, auch heute noch nicht immer ganz sicher zu sein, ob er alles richtig mache, um dem Naturell der Schafe und seiner Hunde zu entsprechen. Zwar hat er den erforderlichen Teil der Schafhirte-Ausbildung gemacht, sagt jedoch von sich, eher der autodidaktische Typ zu sein. Seine drei Border Collies Tim, Tom und Molly begleiten ihn. Ohne deren Unterstützung wäre es gar nicht möglich, eine Schafherde zu betreuen. Sie sind sehr aufmerksam und erkennen die speziellen Töne aus der Pfeife ihres Meisters, nach denen sie ihren Auftrag ausführen.
Das Unterwegssein in der Natur bei Nebelwetter, Regen, Schnee und Kälte macht einem Wanderhirten anscheinend wenig oder nichts aus, obwohl er bei Weitem nicht so kälteresistent ist wie seine Schafe. Bei Bedarf zieht er einfach noch eine Schicht Kleider über. Tinu Schneider versäumt es nicht, die Landbesitzer um Erlaubnis zu fragen, ob die Tiere auf ihrem Boden weiden dürfen und betont, stets freundlich aufgenommen zu werden und ein gutes Verhältnis zu ihnen zu pflegen. Hie und da soll es eine warme Mahlzeit oder gar eine warme Dusche geben. Ein kleiner Bauwagen bietet ihm Unterkunft für die Nacht, wenn seine Tiere satt gefressen und eingezäunt sind. Am nächsten Tag geht es dann weiter.
Tinu Schneider hat eine starke Verbindung zu den Tieren, die ihm von deren Besitzern anvertraut sind. Verantwortung für sie und stetige Achtsamkeit sind oberstes Gebot. Es können die Stille und die Ruhe der Tiere sein, die einem Hirten ein gewisses Freiheitsgefühl bringen, nach dem sich so viele gestresste Menschen sehnen und das sie als Geschenk empfinden würden. Für seine Zukunft kann er sich im Moment nichts anderes vorstellen. Nach der Winterwanderung Mitte März kehren die Schafe zu ihren Besitzern zurück und für Tinu Schneider gibt es etwas Ferien bei seiner Partnerin im Bündnerland, bevor er sich für die Sommermonate auf die Alp begibt.
Rosmarie Stalder