Der Regierungsrat nimmt Stellung zu drei Motionen
02.04.2025 Burgdorf, Aktuell, Region, BildungAm 19. März 2025 behandelte der Regierungsrat des Kantons Bern gleich drei parlamentarische Vorstösse betreffend die Stadt Burgdorf und das Emmental. In einer Motion forderten parteiübergreifend alle Emmentaler Grossrätinnen und Grossräte die sofortige Realisierung des Projekts «Gymnasium Burgdorf». Eingereicht wurde der vom Burgdorfer Stadtpräsidenten Stefan Berger (SP) koordinierte Vorstoss am 4. Dezember 2024. Weitere neun Grossräte unterschrieben das Begehren.
Eine zweite Motion der gleichen Gruppe beabsichtigt, den Regierungsrat zu beauftragen, die Nachnutzung des Areals der Berner Fachhochschule bis Ende 2026 aufzugleisen.
Eine dritte Motion fordert, den Wirtschaftsraum Burgdorf-Emmental durch Ansiedlung eines noch zu definierenden, für den Kanton Bern relevanten Projekts zu stärken. Die Kantonsregierung soll beauftragt werden, bis spätestens Ende 2027 eine verbindliche Option vorzustellen.
Alle drei Vorstösse sind eine Reaktion auf das gestorbene Projekt Bildungscampus Burgdorf, bestehend aus der Technischen Fachschule (TF), die von Bern in die Zähringerstadt auf das Gsteig-Quartier hätte umziehen sollen, sowie dem erweiterten Gymnasium Burgdorf. Der Regierungsrat gab im August 2024 bekannt, aus Spargründen auf die Umsiedlung der TF von Bern nach Burgdorf zu verzichten. Der Grosse Rat bekräftigte im Dezember 2024 den Entscheid in einer äusserst knappen Abstimmung. Damit wurde eine vor mehreren Jahren geschmiedete regionalpolitische Kompromisslösung aufgekündigt, wonach Burgdorf und das Emmental als Kompensation für den Wegzug der bisher in der Zähringerstadt angebotenen Studiengänge der Berner Fachhochschule (BFH) die sogenannte «Lädere» hätte erhalten sollen.
Ernüchternde Antworten des Regierungsrats
Die Antworten des Regierungsrats auf die parlamentarischen Vorstösse fallen für die Motionärinnen und Motionäre ernüchternd aus. Der Entscheid gegen den Umzug der Technischen Fachschule nach Burgdorf gehe mit einer Neubeurteilung der Unterbringung der gymnasialen Ausbildung in Burgdorf einher, schreibt die Kantonsregierung und hält weiter fest: «Das ursprüngliche Projekt eines Erweiterungsneubaus für das Gymnasium wird nicht weiterverfolgt. Geplant ist, inskünftig das Gymnasium in den kantonseigenen Räumlichkeiten unterzubringen, die nach dem Umzug der Berner Fachhochschule in den neuen Campus Biel/Bienne frei werden.» Ob zusätzlich zu den bestehenden kantonseigenen Räumlichkeiten weitere Flächen benötigt werden, klärt die Regierung gegenwärtig im Rahmen der gesamtkantonalen Schulraumplanung ab. Ab welchem Zeitpunkt die Räumlichkeiten der Berner Fachhochschule für das Gymnasium nutzbar werden, ist unklar und hängt vom Baufortschritt des Campus in Biel ab.
Mittels einer Potenzialanalyse den Fächer für weitere Nutzungen – beispielsweise für höhere Bildung – auf dem Gsteig-Areal zu öffnen, erachtet der Regierungsrat als nicht zielführend.
Auch bezüglich des Anliegens der Motionärinnen und Motionäre nach einem für den Kanton Bern relevanten Projekt in Burgdorf zeigt sich der Regierungsrat zurückhaltend. Er sei gerne bereit, neue Optionen für kantonale Nutzungen in der Region zu prüfen, könne allerdings nicht verbindlich garantieren, bis Ende 2027 Vorschläge in diesem Sinne zu präsentieren. Eine Neuverortung von kantonalen Nutzungen müsse punkto Aufgabenerfüllung Sinn machen, den raumplanerischen Rahmenbedingungen entsprechen und finanzierbar sein. Dies erfordere einen flexibleren Umsetzungszeitraum. Zudem erachte der Regierungsrat auch regionalpolitische Projektförderungen als prüfenswerte Möglichkeit.
Interview mit Stefan Berger
Die Zeitung «D’REGION» unterhielt sich mit Grossrat und Stadtpräsident Stefan Berger über die Antworten des Regierungsrats und die Konsequenzen für die Stadt Burgdorf und das Emmental.
«D’REGION»: Sind Sie enttäuscht von den Antworten des Regierungsrats?
Stefan Berger: Ich hätte ein proaktiveres Handeln seitens des Kantons erwartet und gewünscht. Mit der Annahme der Motion «Das Gymnasium Burgdorf ist sofort zu realisieren!» könnte zeitnah dringend nötiger Schulraum für die gymnasialen Bildungsangebote, wir sprechen von 30 Klassenräumen, geschaffen sowie die unbefriedigende Raumsituation des Gymnasiums gelöst werden. Eine rechtskräftige generelle Baubewilligung für den geplanten Ergänzungsbau liegt vor – eine sofortige Realisierung wäre möglich. Zusätzlich würde man damit das Areal der Fachhochschule entlasten und könnte die Nachnutzung ohne Einschränkungen planen, so wie das die zweite Motion «Nachnutzung des Areals der Berner Fachhochschule in Burgdorf» fordert. Mit der Annahme der beiden Motionen hätte der Kanton aufzeigen können, dass er die Anliegen der Region ernst nimmt und diese bildungspolitisch stärken will.
«D’REGION»: Welche Konsequenzen resultieren aus den Stellungnahmen des Regierungsrats für das Gymnasium Burgdorf und die Schulraumplanung der Volksschule der Stadt Burgdorf?
Stefan Berger: Für das Gymnasium Burgdorf bedeutet das, dass die aktuell unbefriedigende Raumsituation mit vielen dezentralen Unterrichtsräumen noch bis circa 2033 bestehen bleibt.
Um die Situation für die Volksschule der Stadt Burgdorf beurteilen zu können, muss man Folgendes wissen: Der Kanton hat das Gymergebäude bis 2033 gemietet. Die Volksschule benötigt eine andere Raumstruktur als das Gymnasium. Eine Nachnutzung durch die Volksschule bedingt also grosse und teure Umbauten. Nach einem Auszug des Gymnasiums stünden diese Räume daher erst etwa 2035 für die Volksschule zur Verfügung. Doch bis dahin muss die Burgdorfer Schulraumplanung weitgehend umgesetzt sein.
«D’REGION»: Sind Sie optimistisch, dass Burgdorf beziehungsweise das Emmental dennoch in absehbarer Zukunft mit einem relevanten grösseren, kantonalen Projekt berücksichtigt wird?
Stefan Berger: Ja, ich bin nach wie vor optimistisch, dass alle drei Vorstösse als Motionen überwiesen werden. Für einen offenen Dialog mit den kantonalen Stellen stehen wir gerne zur Verfügung und sind gespannt, wie die bildungspolitische Weiterentwicklung des Standorts weitergeht. Wir erwarten, dass die Interessen der Regionen Emmental und Oberaargau sowie der Stadt Burgdorf dabei berücksichtigt werden.
Markus Hofer