«Emmentalwärts» angenommen
14.03.2023 Aktuell, Politik, Foto, Oberburg, Hasle bei Burgdorf, Burgdorf, GesellschaftAm vergangenen Sonntag fällten die Stimmberechtigten des Kantons Bern nach einem emotionalen Abstimmungskampf einen historischen Entscheid: Mit 56,9 Prozent Ja- gegen 43,1 Prozent Nein-Stimmen, bei einer Stimmbeteiligung von 30,4 Prozent, nahm die Bevölkerung den Baukredit für das Strassensanierungsprojekt «Emmentalwärts» in der Höhe von 313,9 Millionen Franken an. Damit ist der Weg geebnet, um die Verkehrsbelastung in Burgdorf, Oberburg und Hasle b. B. zukünftig zu reduzieren.
Das Projekt «Emmentalwärts»
beinhaltet ein Zusammenspiel von insgesamt 19 Massnahmen. Schwerpunkte bilden die Umfahrungen für Oberburg und Hasle b. B. sowie zwei neue Bahnunterführungen in Burgdorf, welche Vorteile für den Auto-, Bus- sowie Velo- und Fussgängerverkehr mit sich bringen. Die Gesamtkosten für das Projekt werden auf 424,4 Millionen Franken veranschlagt.
In sämtlichen Verwaltungskreisen überwog der Anteil an Ja-Stimmen. Am knappsten fiel das Ergebnis im Verwaltungskreis Bern-Mittelland mit einem hauchdünnen Ja von 50,1 Prozent aus, da die Bevölkerung in der Stadt Bern den Baukredit grossmehrheitlich ablehnte. Im direkt betroffenen Verwaltungskreis Emmental fiel die Zustimmung mit 74,7 Prozent dagegen sehr hoch aus. In der Stadt Burgdorf betrug der Ja-Anteil 62,5 Prozent, in Hasle b. B. 80,4 Prozent und in Oberburg 80,6 Prozent.
«Ein Licht am Ende des Tunnels»
«Heute ist für unsere Gemeinde und das ganze Emmental ein Tag zum Feiern», freut sich Werner Kobel, Gemeinderatspräsident von Oberburg, nach Bekanntgabe des Abstimmungsresultats. «Der Entscheid fiel deutlicher aus als erwartet. Ich danke allen, die sich mit grossem Engagement für die Vorlage einsetzten. Jahrzehntelang wurde um eine Lösung zur Entschärfung der Verkehrsproblematik gestritten und gekämpft. Mit dem Strassenbauprojekt ‹Emmentalwärts› liegt eine ausgewogene Lösung vor, die von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung im Kanton Bern unterstützt wird. Der Leidensdruck in Oberburg ist angesichts des massiven Verkehrsaufkommens seit Langem gross. Endlich sehen wir nun ein Licht am Ende des Tunnels», erläutert der Gemeinderatspräsident mit einem Lächeln in Anspielung auf den geplanten Tunnel zur Umfahrung Oberburgs. Werner Kobel hofft nun, dass die Realisierung möglichst bald in Angriff genommen wird.
Glücklich über das Resultat zeigt sich auch Raymond Weber, Gemeindepräsident von Hasle b. B. «Wir danken der Bevölkerung des Kantons Bern für ihre Solidarität mit unserer Region. Ich bin überzeugt, dass das ganze Emmental vom umweltverträglichen Projekt profitieren wird. Heute haben wir einen Riesenschritt vorwärts gemacht. Selbstverständlich sind wir uns aber bewusst, dass bis zur Umsetzung ein langer Atem benötigt wird. Noch sind verschiedene Einsprachen gegen das Projekt hängig.»
«Genau hinschauen»
Der Burgdorfer Gemeinderat Theophil Bucher, der als Mitglied der Grünen zu den Gegnern des Projekts gehört, sprach von einem Achtungserfolg für seine Partei und die Verbände, die das Referendum gegen den Baukredit für die Verkehrssanierung Burgdorf–Oberburg–Hasle b. B. ergriffen hatten: «Obwohl die Befürworter sehr viel Geld in ihre Kampagne investierten, lehnte ein respektabler Teil der Bevölkerung das teure Grossprojekt ab. Als Mitglied der Grünen sowie Gemeinderat von Burgdorf fühle ich mich verpflichtet, bei der Umsetzung der kritischen Massnahmen genau hinzuschauen. Der Tunnelbau für die Umfahrung von Oberburg bedingt Eingriffe in den Grundwasserstrom. Hier muss mit grösster Sorgfalt darauf geachtet werden, dass keine irreparablen Schäden für die Trinkwasserversorgung entstehen.»
Blick in die Kristallkugel
Der Kanton Bern geht davon aus, dass die Bauarbeiten ungefähr im Jahr 2025 beginnen und bis 2035 abgeschlossen sein werden. Während der Bauphase wird die Verkehrsproblematik voraussichtlich nochmals zunehmen. «Bei einem Jahrhundertprojekt wie ‹Emmentalwärts› muss mit Verzögerungen gerechnet werden», erklärt Raymond Weber, Gemeindepräsident von Hasle b. B. «Ich gehe davon aus, dass die Umfahrungen in Oberburg und Hasle circa im Jahr 2037 vollendet sein werden. Diese Prognose basiert allerdings auf einem vagen Blick in die Kristallkugel.»Markus Hofer