Podiumsdiskussion zur Verkehrssanierung "Emmentalwärts"

  14.02.2023 Aktuell, Politik, Region, Oberburg, Hasle bei Burgdorf, Burgdorf

Die SVP Sektion Burgdorf hat zu einer Diskussionsrunde in den Saal des Restaurants Steingrube in Oberburg eingeladen. Politikerinnen und Politiker aus dem rechten, linken und grünen Lager äusserten ihre Argumente zum Verkehrssanierungsprojekt «Emmentalwärts». Der Anlass stiess auf grosses Interesse.
Der Saal im Obergeschoss des Restaurants Steingrube war schlicht zu klein. Das Projekt «Emmentalwärts» bewegt im unteren Emmental Anwohnerinnen und Anwohner sowie Pendlerinnen und Pendler wie kaum ein Thema. Mehr als 100 Personen folgten am Montagabend, 6. Februar 2023, der Einladung der SVP Sektion Burgdorf zur Podiumsdiskussion. Weil sowohl gegen das Projekt «Emmentalwärts» als auch das Verkehrssanierungsprojekt in Aarwangen von linker und grüner Seite das Referendum ergriffen wurde, entscheiden die Stimmberechtigten im Kanton Bern am 12. März 2023 an der Urne über die Realisierung der beiden Konzepte. Braucht es diese Verkehrssanierungen wirklich? Oder sind sie schlicht zu teuer? Einen Überblick über beide Verkehrssanierungsprojekte lieferte Kreisoberingenieur Roger Schibler.

Sicherheit und Lebensqualität fördern
In Aarwangen präsentiert sich die Situation so, dass die direkte Verbindung zwischen der Autobahn A1 und dem Raum Langenthal / Huttwil mitten durch den Ortskern von Aarwangen führt. So fahren heute täglich rund 17 000 Fahrzeuge durch Aarwangen. Jedes zehnte davon ist ein Lastwagen. Hier soll die 3,6 Kilometer lange Umfahrung mit Tunnel und Brücke in erster Linie der Sicherheit und zur Reduktion der Verkehrsmenge im Ortskern dienen. Die Gesamtkos­ten dieses Projektes belaufen sich auf 194,1 Millionen Franken.
Dass die Verkehrssituation auch in der Region Burgdorf unhaltbar ist und die Sicherheit sowohl für den Fuss- als auch für den Veloverkehr mittlerweile absolut ungenügend ist, darüber sind sich FDP, SVP, SP und Grüne in der Diskussionsrunde einig. Kreis­oberingenieur Roger Schibler weist darauf hin, dass mit dem nun vorliegenden Verkehrssanierungsprojekt «Emmentalwärts» nach über dreissig Jahren endlich ein Ergebnis auf dem Tisch liegt, wie die Verkehrsprobleme rund um Burgdorf gelöst werden können. «Emmentalwärts» befreit Oberburg und Hasle bei Burgdorf mit einer Umfahrung zu einem grossen Teil vom Durchgangsverkehr. «Oberburg kann damit die Siedlungsgebiete entlang der Ortsdurchfahrt deutlich aufwerten», hält Roger Schibler fest. Die Gesamtkosten für die Verkehrssanierung «Emmentalwärts» liegen bei 424,4 Millionen Franken. An diesen Kosten beteiligt sich der Bund mit 92,2 Millionen Franken. Bereits früher bewilligt wurden die Projektierungskos­ten von 16,4 Millionen Franken. Die Lichtsignalanlagen für die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs kosten 1,9 Millionen Franken und werden über den Rahmenkredit für den öffentlichen Verkehr finanziert. Somit entscheiden die Stimmberechtigten im März 2023 noch über einen Kredit von 313,9 Millionen Franken für die Verkehrssanierung Burgdorf–Oberburg–Hasle bei Burgdorf. Wird der Kredit angenommen, so könnte mit dem effektiven Bau im Jahr 2025 begonnen werden. Die Bauphase dauert voraussichtlich zehn Jahre.

Finanziell gesichert dank Bundesgeldern und kantonalem Agglomerationsfonds
Der Grosse Rat hat im Sommer die entsprechenden Verpflichtungskredite für die beiden Verkehrssanierungsprojekte genehmigt. Kurz darauf haben die Grünen gemeinsam mit Umweltorganisationen das Referendum ergriffen. Was waren die Gründe? Die Dringlichkeit einer Verkehrsberuhigung streiten an der Podiumsdiskussion weder Daniel Bachofner (Grüne) noch Andrea Rüfenacht (SP) ab. Als Hauptargument für das Referendum nennen sie die immens hohen Kosten. Zudem möchten sie am demokratischen Grundprinzip festhalten: dass die Bevölkerung bei solchen Plänen ein Mitspracherecht hat. Zum Thema Finanzierung weist Michael Elsaesser (FDP) darauf hin, dass es sich dank der Kostenbeteiligung des Bundes sogar um eine einmalig gute Ausgangslage handelt. Über das ordentliche Kantonsbudget werden voraussichtlich 112,7 Millionen Franken finanziert.
Die in Burgdorf aufgewachsene Nadja Umbricht Pieren bezeichnet «Emmentalwärts» als eine Art Herzensprojekt. Die mittlerweile in Heimiswil wohnhafte SVP-Politikerin ist fast täglich als Fussgängerin, Fahrrad- oder Autofahrerin rund um Burgdorf unterwegs. Sie macht auf die Bevölkerungszunahme aufmerksam und den daraus resultierenden Mehrverkehr. Für Nadja Umbricht Pieren stehen Sicherheit und Lebensqualität im Vordergund.
Andrea Rüfenacht (SP) ist der Meinung, dass bei der Realisierung der Verkehrssanierung «Emmentalwärts» der motorisierte Verkehr eher noch zunehmen wird, da das Projekt darauf abziele, die Kapazität für Autos und Lastwagen zu erhöhen. In ihren Augen ist der wirtschaftliche Nutzen sehr gering und nur lokal begrenzt. «Die Verkehrssanierung führt nicht zu einer Verlagerung vom motorisierten Verkehr hin zum öffentlichen Verkehr. Und das müsste das Ziel sein», so Andrea Rüfenacht.
Daniel Bachofner (Grüne) lobt die gute Vorarbeit des Kantons Bern. Das Projekt ist in seinen Augen technisch komplett ausgereift. Er beanstandet die ausserordentlich hohen Kosten und die Tatsache, dass nicht in einem ersten Schritt lediglich Massnahmen gegen die langen Wartezeiten an den Bahnübergängen beim Spital Burgdorf und in der Buchmatt getroffen werden.

Freie Fahrt für den ÖV und keine Verspätungen mehr
Nadja Umbricht Pieren (SVP) macht noch einmal auf die Dringlichkeit des Projektes und seine positiven Auswirkungen auf das Emmental aufmerksam. Während täglich rund 17 000 Autos durch den Gotthardtunnel fahren, sind es gut 19 000 Autos, welche werktags Burgdorf, Oberburg und Hasle bei Burgdorf durchqueren. Die Folgen davon sind lange Staus, Lärm und Abgase. Verspätungen bei den Bussen und verpasste ÖV-Anschlüsse würden mit der Verkehrssanierung endlich der Vergangenheit angehören. Denn zusätzliche Busspuren und die Bevorzugung der Busse an den Ampeln werden die Pünktlichkeit des öffentlichen Verkehrs sichern.
Michael Elsaesser (FDP) hält fest, dass es sich definitiv nicht um ein Individualverkehrsprojekt handelt. Und er weist darauf hin, dass gut die Hälfte der beanspruchten 2,7 Hektaren Fruchtfolgeflächen für Velowege genutzt werden.
Die anschliessende «Fragerunde» für die zahlreich anwesenden Interessierten wurde zur hitzigen Diskussion. Das Verkehrsprojekt «Emmentalwärts» ist ein Reizthema und es bewegt die Gemüter auf beiden Seiten. Sind die Eingriffe in Siedlung, Landschaft und Umwelt tatsächlich in einem vertretbaren Rahmen? Und wie sieht die Zukunft des Wirtschaftsraums Emmental aus bei einem Nein an der Urne?

Petra Schmid

www.emmentalwaerts.bvd.be.ch
www.verkehrssanierung-aarwangen.bvd.be.ch


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