Handels- und Industrieverein Sektion Emmental tagt im Saalbau Kirchberg

  01.11.2022 Aktuell, Politik, Wirtschaft, Bildung, Foto, Region, Vereine, Gesellschaft, Bildung / Schule

Der Handels- und Industrieverein (HIV) Sektion Emmental lud seine Mitglieder an seinem Herbstanlass vom Donnerstag, 27. Oktober 2022, neben einem Vortrag auch zu einer der wohl kürzesten Hauptversammlungen (HV) ein, die überhaupt je stattgefunden hatte. Diese ausserordentliche HV beinhaltete nämlich ein einziges Traktandum, dafür allerdings ein eminent wichtiges: Es ging um das Verkehrsprojekt «Emmentalwärts», genauer um die Unterstützung der anlaufenden Abstimmungskampagne.

Doppelreferenden der Grünen sind zustande gekommen
Voraussichtlich schon im März 2023 werden die Bernerinnen und Berner über die beiden Verkehrsprojekte «Emmentalwärts» und Aarwangen abstimmen. Gegen beide geplanten Projekte reichte die Partei der Grünen ein Referendum ein, die nun offiziell zustande gekommen sind.
Der Handels- und Industrieverein Sektion Emmental unterstützt das breit abgestützte und mehrfach optimierte Bauvorhaben klar, wie dies auch der Grosse Rat des Kantons Bern, der National- und Ständerat, sämtliche betroffenen 39 Emmentaler Gemeinden, Verkehrsträger, Wirtschaftsverbände, Umweltverbände und Naturschutzorganisationen wie Pro Natura tun. Mit der ausserordentlichen Hauptversammlung des HIV bewillig­ten die Stimmberechtigten nach dem knapp zehnminütigen Traktandum den Betrag von 100 000 Franken für die Abstimmungskampagne des Verkehrssanierungsprojekts «Emmentalwärts». Die Kostengutsprache wurde einstimmig genehmigt. «Ein starkes Zeichen unseres Vereins», betonte HIV-Präsident Walter Gerber und dankte den anwesenden Mitgliedern für ihr zukunftsweisendes Mitdenken und Handeln.

Hochkarätiger Gastredner
Dr. med. Hans Groth referierte im anschliessenden zweiten Teil in einem stündigen Vortrag zum Thema: «Die Macht der Demografie – Gehen uns die Arbeitsplätze aus?». Die Demografie befasst sich mit der Entwicklung der Bevölkerung und ihrer Strukturen in Anbetracht der Geburtenrate, der geografischen Population und der Sterberate. Auf seinem Gebiet gilt Dr. Hans Groth als absolute Koryphäe. Er ist unter anderem Verwaltungsratspräsident des WDA Forums (World Demographic & Ageing Forum) sowie Mitglied des Verwaltungsrates der RehaClinic Bad Zurzach AG. Seit 2009 ist Dr. Groth Gastdozent an der Universität St. Gallen zum Thema «Megatrend Demografie» sowie gewähltes Mitglied des «Global Agenda Council on Global Population Growth» des World Economic Forum (WEF). Nach seinem Medizinstudium und seiner Ausbildung zum Internisten war er 24 Jahre lang bei Pfizer Inc. tätig. Er verfügt über umfassende Erfahrungen in über 30 Gesundheitsmärkten in Euro­pa inklusive Osteuropa sowie den USA und Kanada. Seit nunmehr 14 Jahren beschäftigt sich Dr. Hans Groth mit dem Wechselspiel von «globalem demografischem Wandel, volkswirtschaftlicher Entwicklung, Wohlstandssicherung und gesellschaftlicher Stabilität». Dr. Hans Groth ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist schweizerisch-deutscher Doppelbürger.

Demografische Entwicklung
Dr. Hans Groth erläuterte die globalen Zahlen der Demografie. Afrika wird bevölkerungsmässig frap­pant wachsen. Nigeria beispielsweise wird sich bis im Jahr 2100 zum drittgrös­sten Land der Welt entwickeln, von heute rund 200 000 Millionen Einwohnern zu 700 000 bis zu einer Milliarde Menschen. Dies wird sich zu extremen Anforderungen an die weltpolitische Lage entwickeln.
Etwas milder zeigt sich die Situation in der Schweiz. Die demografische Entwicklung führt aber auch in unserem Land in absehbarer Zeit zu einschneidenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur. Bis zum Jahr 2040 wird sich die Zusammensetzung der Gesellschaft drastisch ändern. Weniger Kinder werden geboren. Die Anzahl der Leute im produktivsten Arbeitsalter zwischen 20 und 50 Jahren nimmt ab und gleichzeitig wird der Anteil der über 65-Jährigen zunehmen. Parallel dazu steigt die Lebenserwartung. Dr. Hans Groth vergleicht die Demografie mit der Schwerkraft. Beides ist da und beides ist unausweichlich. Dr. Groth: «Die einzige Chance, sich den Herausforderungen der sich verändernden Demografie zu stellen, ist es, sie zu erkennen und sie anzunehmen.» Aber was wird es brauchen, damit wir als Gesellschaft lebendig und somit zukunftsfähig bleiben?
Dr. Groth: «Das Personal im Arbeitsmarkt wird immer bedeutender. Und es wird schwieriger, Fachkräfte zu finden.» Lösungen sieht er in der besseren Nutzung des verfügbaren Arbeitskräftepotenzials, dem Ausarbeiten und Anbieten von kreativen und innovativen Veränderungen der Arbeitsbedingungen mit aktiver Firmenbindung. Die Produktivität kann durch neue Technologien gesteigert werden. Zudem ist das Arbeiten über die gesetzliche Pension hinaus eine Option. Widerstände können ausdiskutiert und mit ermutigenden Anstellungsbedingungen und offenem Umgang im Betrieb minimiert werden. Mit der Zufriedenheit im Arbeitsmarkt lässt sich auch die Fluktuation senken.

Herausforderungen für den HIV
Aus Sicht des HIV ist der durch die Demografie bedingte Mangel an Arbeitskräften neben Energiekosten, Rohstoffpreisen und -engpässen sowie Inflation auf absehbare Zeit die wichtigste unternehmerische Herausforderung für das Wachstum und die Profitabilität seiner Mitglieder. Die Auswirkungen sind weitreichend für Wirtschaft, Gesellschaft und politische Prozesse. Sie betreffen alle – sowohl auf individueller als auch auf kollektiver und gesellschaftlicher Ebene.


Paul Hulliger
 


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