In Lützelflüh wird gewählt
11.10.2022 Aktuell, Politik, FotoAm Sonntag, 23. Oktober 2022, wählen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Gemeinde Lützelflüh die Mitglieder des siebenköpfigen Gemeinderats für die Legislaturperiode 2023 bis 2026. Die parteipolitische Zusammensetzung der Exekutive sieht gegenwärtig wie folgt aus: SVP 3 Sitze, EVP 2 Sitze, Die Mitte 1 Sitz und die Freien WählerINnen (FW) 1 Sitz. Von den bisherigen Gemeinderatsmitgliedern treten fünf zur Wiederwahl an: Kurt Baumann, amtierender Gemeindepräsident, Ulrich Zaugg (beide SVP), Franz Held, Fritz Peyer (beide EVP) und Stefanie Gsell (FW). Aus beruflichen Gründen verzichtet Beat Zaugg (SVP) auf eine erneute Kandidatur. Hans Ulrich Salzmann (Die Mitte) wird infolge Amtszeitbeschränkung aus der Exekutive ausscheiden.
Die Wahlziele der Parteien
Die SVP, die mit Abstand wählerstärkste Partei, setzt sich zum Ziel, ihre drei bestehenden Sitze zu verteidigen. «Mit einem vergleichbaren Wahlergebnis wie vor vier Jahren erachten wir das als Minimalziel», erklärt Heinz Studer, Präsident der SVP Sektion Lützelflüh, gegenüber der Zeitung «D’REGION». «Wir treten mit vier Persönlichkeiten an, die gewillt sind, für die Allgemeinheit einzustehen, Verantwortung zu übernehmen und ausgewogene Lösungen zu erarbeiten. Da die beiden Ressorts Sicherheit und Tiefbau, die von den abtretenden Gemeinderäten Hans Ulrich Salzmann und Beat Zaugg geführt wurden, frei werden, achteten wir darauf, Kandidaten zu nominieren, die das notwendige berufliche Rüstzeug mitbringen, um diese Aufgaben künftig wahrzunehmen.» Gemäss Heinz Studer ist die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber dem Gemeinderat momentan eher kritisch, da zahlreiche wichtige Geschäfte in Bearbeitung sind – wie etwa die Sanierung des Freibads, die Verkehrsplanung, der Zusammenschluss der Wasserversorgung mit Rüegsau und die Ortsplanungsrevision 2020+. «Die SVP setzt sich ein für ein lebenswertes Lützelflüh, wo man sich zu Hause fühlt. Wichtig sind uns ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Finanzen aktuell und in Zukunft, steter Unterhalt der Infrastruktur, die Umsetzung der Energiestrategie ohne Zwangsmassnahmen sowie eine Vorbildfunktion in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Um den Puls der Bevölkerung zu spüren, setzen wir auf eine aktive Kommunikation», so Heinz Studer.
Die Mitte, die auf den Bisherigen-Bonus verzichten muss, ist entschlossen, ihr Mandat zu verteidigen. «Wir stehen für eine bürgerliche Politik mit sozialer Verantwortung ein», erklärt Mathias Leibundgut, Präsident Die Mitte Brandis. «Wir wollen erneuerbare Energien fördern, das Teambuilding innerhalb des Gemeinderats festigen und das Emmental sowohl wirtschaftlich als auch kulturell besser positionieren. Im kulturellen Bereich spielt die Gemeinde Lützelflüh mit dem Gotthelf Zentrum und der Kulturmühle eine wichtige Rolle.» Die Mitte macht sich weiter für eine Vereinfachung der Behördengänge stark und unterstützt das Strassenprojekt «Emmentalwärts». «Mir persönlich ist es zudem ein wichtiges Anliegen, dass sich auch Frauen vermehrt in der Dorfpolitik engagieren», so Mathias Leibundgut. Die Mitte tritt mit einer Kandidatin, die bereits in der Tourismus- und Kulturkommission vertreten ist, und drei Kandidaten an.
Die EVP, die mit den Freien WählerINnen erneut eine Listenverbindung eingegangen ist, setzt sich zum Ziel, ihre beiden Sitze zu verteidigen. Die Partei eroberte vor vier Jahren ein zweites Mandat zulasten der FDP, die nicht mehr in der Exekutive vertreten ist und gegenwärtig nicht zu den Gemeinderatswahlen antritt. «Unsere beiden Gemeinderäte Franz Held und Fritz Peyer leisteten in den vergangenen vier Jahren gute Arbeit. Wir wünschen uns natürlich, dass sie ihre Tätigkeiten in der nächsten Legislaturperiode fortsetzen können», äussert sich Andreas Baumgartner, Präsident der EVP Brandis, im Gespräch mit der Zeitung «D’REGION». Ein wichtiger Themenschwerpunkt stellt für die EVP die Energiestrategie 2030 dar, welche aufgegleist wurde und nun konsequent umgesetzt werden soll. «In diesem Bereich ist es wichtig, dass die Gemeinde am Ball bleibt. Bei öffentlichen Bauten soll konsequent auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Weiter kommen grosse Investitionen wie die Sanierung des Freibads und der Bau eines zweiten Kindergartens im Unterdorf auf die Gemeinde zu. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Finanzen im Lot bleiben.» Die fünf Kandidierenden der EVP setzen sich für eine familienfreundliche und nachhaltige Politik ein.
Die FW, die mit Stefanie Gsell die einzige Frau im Gemeinderat stellen, beabsichtigen gemäss Präsident Stefan Schütz, ihren Wähleranteil von 18 Prozent im Jahr 2018 nun auf rund 20 Prozent zu steigern. «Erreichen wir dieses Ziel, bestehen gute Chancen auf einen zweiten Sitzgewinn, den wir bei den letzten Wahlen knapp verpasst haben. Wir treten mit einer starken Liste an: Die vier Kandidatinnen und der Kandidat der FW sind gewillt, sich in den Bereichen Bildung, Kultur, Jugend, Sport, Landschaft und Ökologie stark zu engagieren.» Als Herausforderung für die Gemeinde erachtet Stefan Schütz die vielen wichtigen Investitionen, die in absehbarer Frist anstehen: «Um diese zu stemmen, sind eine sorgfältige Interessenabwägung und Finanzplanung unabdingbar.» Eine offene, zeitnahe und transparente Kommunikation der Behörden erachtet Stefan Schütz ebenfalls als ein wichtiges Anliegen. Weiter stehen die FW für eine attraktive Standortpolitik ein: «Angesichts der regen Bautätigkeit in Lützelflüh sind ein florierendes Gewerbe, das Arbeitsplätze bietet, und ein attraktiver Detailhandel wichtiger denn je. In den vergangenen Jahren mussten leider verschiedene Geschäfte schliessen. Uns ist es ein Anliegen, im Rahmen des Möglichen Gegensteuer zu geben und die Attraktivität der Gemeinde zu erhalten beziehungsweise zu steigern.»
Markus Hofer
Die Kandidierenden: Liste EVP: Franz Held (bisher); Fritz Peyer; (bisher); Daniela Iseli; Martin Flückiger; Eliane Kim-Grossenbacher. Liste Die Mitte Brandis: Hans Reber; Murielle Blaser Zimmermann; Marcel Erhard; Daniel Bühler. Liste SVP: Kurt Baumann (bisher); Ulrich Zaugg (bisher); Andreas Kobel; Jürg Stalder. Liste FW: Stefanie Gsell (bisher); Stefan Schütz; Angela Kobel; Anna-Katharina Berger; Eva Maria Senn.