Heitere CD- und Buch-Taufe in der Rüedismatt
01.11.2017 Aktuell, Krauchthal, Kultur, GesellschaftEine durchaus heitere Angelegenheit war die CD- und Buch-Taufe in der Rüedismatt. Die Gestalter des Abends für mehr als hundert Zuhörer/innen waren der Mundartautor / Publizist Christian Schmid und die «Neoländler», Susanne Jaberg, Iris Keller, Thomas Keller und Lorenz Nejedly, und Gastgeber Ulrich Zwahlen vom Museum Krauchthal.
Christian Schmid, Mundartspezialist, Wortgrübler und Erzähler, stellte seine Buch-Neuerscheinung «Mir stinkts» vor. Seine Geschichten sind weder «us em Eermu gschüttlet», noch «us de Finger gsoge», sondern Redensarten «u ihri Gschichte».
So eigenwillig wie die musikalische Einleitung waren den auch die Hörerlebnisse, die Lachsalven und Zwerchfellkater auslösten.
Bildsprache
Bereits das «Kleine Geschichtli» barg in seiner Fünfminutenlänge 19 gängige Redensarten. Schmids Sprache ist bildlich und alltagstauglich.
Seine Definitionen von «Hingerem Chaschte schtoh», «dumm wie Bohnenstroh», «jemandem den Marsch blasen» oder «drösche wie Burkhalter ir Chingelehr» verblüffen die grosse Zuhörerschaft. Viele der heute noch benutzten Redensarten und Sprüche nutzen sich nicht ab.
Wahr und erfunden
Nicht alle basieren auf einer Begebenheit – viele sind erfunden, konstruiert. Der arg abgenutzte Spruch «gib Gas», «gib Vollgas» stammt aus der Zeit der ersten technischen Entwicklung der Maschinen und er spornt zu grösster Eile an.
«Wie geit’s?», «Zwische Wohle u Üetlige» bedeutete «wohl und übel!» Grosser Zwischenapplaus honorierte mehrmals Schmids Erklärungen.
Zwischen den Zeilen Schmids spielten die «Neoländler» auf: anmutig, teils fremd in den Ohren, fetzig und schräg. Auf verschiedenen Instrumenten spielten sie sich in die Herzen des Publikums. Mit «Häxeschit», «Muultrummele» und «Hanottere» untermalten sie «Hiesigs, Fremds, Altes und Neues».
Wechsel zwischen Wort und Musik
Neben dem Musikgenuss blieb dem Publikum Zeit über Redensarten und Sprüche zu sinnieren und insgeheim über den Reichtum unserer Sprache zu staunen.
«Fischter wie inere Chue», «mir stinkt’s» oder «gnue Heu dunger» kennen und benutzen wir oft «un-gschouet». «Man muss aber nicht unbedingt wissen, woher die Redensarten kommen, man muss sie nur richtig benutzen», sagte Christian Schmid. Teils hätten die Sprüche witzige Ursprungsgeschichten, hielt er fest. Mit Redensarten werde immer etwas im übertragenen Sinn gesagt und Tatsache sei, «dass man dumm wie Bohnenstroh» nicht steigern könne, meinte er belustigt.
Fünfzig Redensarten und ihre Geschichten unterhalten die Leser/innen von Christian Schmids Neuerscheinung «Mir stinkts», ein Lesespass sondergleichen.
Das Zusammenspiel mit Susanne Jaberg, Iris Keller, Thomas Keller und Lorenz Nejedly der «Neoländler» funktionierte bestens. Sie erhalten in der Zusammenarbeit mit Christian Schmid einen neuen Namen: «Eigets» – als aussergewöhnliche Formation und Erfinder des «Walzer-Rap». Ein Volltreffer der guten Laune, ebenso wie Schmids Geschichten.
Sylvia Mosimann