Möglichkeiten der Schlüsselloch-Chirurgie

  14.08.2017 Bildung / Schule, Burgdorf, Gesellschaft

Die Sommerpause ist vorbei. Übermorgen Donnerstag, 17. August 2017, setzt das Spital Emmental in Burgdorf seine beliebten Publikumsvorträge fort. Ab 19.00 Uhr bis etwa um 20.15 Uhr sprechen Professor Dr. med. Stephan Vorburger, Chefarzt Chirurgische Kliniken sowie Chefarzt Chirurgie Burgdorf, und Dr. med. Matthias Schneider, Leitender Arzt Chirurgie Burgdorf, zum Thema «Schlüsselloch-Chirurgie – was ist heute möglich?».
 
«D’REGION»: Ihr Vortrag heisst «Schlüsselloch-Chirurgie – was ist heute möglich?». Werden Sie Ihr Referat mit Filmsequenzen und Fotos bereichern?
Prof. Vorburger: Genau. Wir werden Dias und Filmsequenzen benutzen – wobei wir auch darauf achten, dass diese Sequenzen nicht allzu «blutig» sind.

«D’REGION»: Von wem werden Ihnen die Patienten in der Regel zugewiesen?
Prof. Vorburger: Von den Hausärzten.
«D’REGION»: Sie sind einer der Pioniere bei der Einführung der video­assistierten Schlüsselloch-Chirurgie. Was kann sich der Laie darunter vorstellen, was ist im Vergleich zu früheren Operationsmethoden revolutionär?
Prof. Vorburger: Die Schlüsselloch-Chirurgie hat 1989 der damalige Chefchirurg des Spitals Aarberg eingeführt. Wir waren bei der Einführung der 3-D-Laparoskopie mit die ersten in Europa – respektive die ersten in der Schweiz. Der Grund dafür war, dass ich an der Universität die 3-D-Laparos­kopie mit den entsprechenden Firmen getestet habe. Bei der Operation von Krebs am Dick- und Enddarm gehören wir mit dem Kantonsspital St. Gallen tatsächlich zu den Vorreitern.

«D’REGION»: Das Spital Emmental nimmt dank Ihnen europaweit eine Pionierrolle ein. Weshalb arbeiten Sie in diesem mittelgrossen Spital und nicht an einem Universitätsspital?
Prof. Vorburger: Gerade die mittlere Grösse erlaubt, Neuerungen schnell und ohne viel bürokratischen Aufwand umzusetzen. Voraussetzung: Es ist bereits eine gute Kompetenz auf dem Gebiet vorhanden. Am Spital Emmental sind wir in der komfortablen Lage, dass die meisten Kaderärzte sehr erfahren in der Schlüsselloch-Chirurgie sind. Zudem erlaubt die Grösse des Teams, die Mitglieder direkt zu involvieren und die Eingaben aus den verschiedenen Gebieten unmittelbar umzusetzen. Auch hier ist das Spital Emmental ausgesprochen kompetent besetzt, sodass die Umsetzung im Team schnell und sehr effizient erfolgen kann. Grössere Betriebe können durch die gegebenen Strukturen unmöglich so flexibel sein. Natürlich braucht es dazu das Interesse und den Willen der Betroffenen, diese Zusatzbelastung auch zu tragen.

«D’REGION»: Wie viele Schlüsselloch-Operationen führen Sie durchschnittlich pro Woche durch – und gibt es zahlreiche Patienten aus der ganzen Schweiz, die für diese Operation zu Ihnen nach Burgdorf kommen?  
Dr. Schneider: Wir führen mittlerweile 95 Prozent der chirurgischen Eingriffe laparoskopisch oder minimalinvasiv mit der Kamera durch. Dabei sind neben Eingriffen an der Gallenblase und bei Bauchwandbrüchen auch fast alle Eingriffe am Darm und Magen mit dieser Methode möglich.
Wir haben schon Patienten, die wegen der fortgeschrittenen Operations-­methode bei Enddarmkrebs von ausserhalb des Kantons Bern zu uns kommen. Diese Patienten bilden jedoch immer noch die deutliche Minderheit.

«D’REGION»: Stösst die Schlüsselloch-Chirurgie zuweilen auch an ihre Grenzen – das heisst, in welchen Fällen müssen Sie von einer Schlüsselloch-Operation absehen?
Prof. Vorburger: Durch die hohe Erfahrung unseres Teams ist das sogenannte «Umsteigen» auf eine offene Operation sehr, sehr selten. Mittlerweile gibt es sogar Operationen, die man in dieser Qualität nur noch mit der Schlüsselloch-Methode durchführen kann.

«D’REGION»: Gewisse Schlüsselloch-Operationen werden schweizweit fast nur im Emmental durchgeführt. So etwa die Entfernung von Schilddrüsen, ästhetisch optimierten Operationen der Gallenblase und die Entfernung gutartiger Darmentzündungen. Hängt dies damit zusammen, dass dazu für die Chirurgen eine langjährige Erfahrung mit viel Training ein absolutes Muss ist?
Prof. Vorburger: Die langjährige Erfahrung und Expertise ist natürlich unabdingbar, um sich weiterzuentwickeln. Neben der nötigen manuellen Fertigkeit gehört aber auch der Wille dazu, eine neue Methode zu lernen – selbst wenn dazu vielleicht anfangs mehr Operationszeit benötigt wird. Da haben wir am Spital Emmental das Privileg, dass wir – im Gegensatz zu Kliniken, die sehr auf Profit ausgelegt sind – die Möglichkeit haben, unter Umständen die betroffenen Mitarbeiter für einen Eingriff länger zu beanspruchen.

«D’REGION»: Vor fünf Jahren war das Spital Emmental mit die erste Klinik, welche diese neue, dreidimensionale Schlüsselloch-Chirurgie einführte. Welches sind denn die besonderen Vorteile?
Dr. Schneider: Dieses System ermöglicht es, die Organe im Inneren des Bauchraumes dreidimensional zu sehen. Die Ärzte operieren mit einer speziellen Kamera und tragen eine Brille, die stark an das 3-D-Kino erinnert, wo der Zuschauer das Gefühl erhält, Gegenstände und Menschen würden die Leinwand verlassen und seien zum Greifen nahe. Tatsächlich sehen die Ärzte ihr räumliches Operationsfeld und die anatomischen Details durch ihre Brille viel deutlicher. Dies wiederum führt – das ist erwiesen – zu sichereren und auch kürzeren Operationen.  

«D’REGION»: Trotz der Vorreiterrolle in der Schlüsselloch-Chirurgie hat sich das Spital Emmental entschieden, nicht alle hochspezialisierten Operationen durchzuführen. Um welche hier nicht angebotenen Opera­tionen handelt es sich – allenfalls um solche am Herz?
Prof. Vorburger: Schon vor der Diskussion um hochspezialisierte Medizin haben wir uns auf die Behandlung von Tumoren des Dick- und End­darmes sowie die minimalinvasive Schilddrüsenchirurgie fokussiert. Es macht wenig Sinn, Speiseröhrenoperationen oder grössere Operationen der Bauchspeicheldrüse, die doch eher selten vorkommen, auch noch durchzuführen. Wir wollen hier nicht möglichst viel, sondern möglichst gut operieren. Dafür sind wir auf dem gewählten Bereich sehr kompetent und schweiz- sowie europaweit vorne dabei. Auch wenn kurzfristig mehr Operationen für das Spital besser wären, so ist die gewählte Strategie für die langfristige Entwicklung sowohl fürs Spital als auch für den Patienten sicher die bessere.

«D’REGION»: Sehen Sie künftig weitere Entwicklungen und Möglichkeiten bei der Schlüsselloch-­Chirurgie – etwa hinsichtlich Operationsmethoden, Geräten und Instrumenten?
Dr. Schneider: Da ist zurzeit sehr von der Anwendung von «Robotern» oft die Rede. Gerne werden wir, sofern es die Zeit zulässt, auch an unserem Vortrag einen kleinen Ausblick in die Zukunft gewähren.

Zu den Personen
Professor Dr. med. Stephan Vorburger ist seit 2010 Chefarzt Chirurgie und Leiter der Chirurgischen Kliniken des Spitals Emmental. Mit der Schlüsselloch-Chirurgie hat er schweizweite Aufmerksamkeit erlangt. Die 3-D-Technik bringt Vorteile wie kleinere Schnitte, weniger Schmerzen, bessere Übersicht und schnellere Erholung – verbunden mit einem kürzeren Spitalaufenthalt. Der Medizinprofessor gehört der Geschäftsleitung des Spitals Emmental an. Der Facharzt für Chirurgie FMH und Spezialarzt Viszeralchirurgie ist Träger des akademischen Titels Master of Science in Clinical Research. Seine Spezialgebiete sind Tumorchirurgie, 3-D- und minimalinvasive Chirurgie, Chirurgie der Schilddrüse sowie des End- und Dickdarmes.
Dr. med. Matthias Schneider ist seit 2013 Leitender Arzt Chirurgie am Spital Emmental Burgdorf.

Hans Mathys


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