Ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit
09.06.2017 Aktuell, Krauchthal, GesellschaftBisher hat die KEWU AG in – ein Unternehmen von dreizehn Gemeinden mit Sitz in Krauchthal – ein Kompostierwerk sowie eine Deponie betrieben. Seit Anfang Jahr liefert die KEWU AG aber auch ökologischen Strom. Möglich wird dies durch die Inbetriebnahme einer neuen Vergärungsanlage.
Aus Stromverbraucher wird Stromproduzent
Peter Bernasconi, Präsident des Verwaltungsrates, sieht in der neuen Vergärungsanlage ein wichtiges drittes Standbein der KEWU AG. «Wir sind sehr froh, dass wir die neue Anlage nun in Betrieb nehmen konnten. Die Kompostierung hat bisher viel Energie verbraucht. Mit der Vergärungsanlage werden wir nun vom Stromverbraucher zum Ökostromproduzenten. Das ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft und passt gut zu der aktuellen politischen Landschaft», ist Bernasconi überzeugt.
Gekostet hat die Vergärungsanlage rund zwölf Millionen Franken. Finanzielle Unterstützung fand das Projekt mit der KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) – einem schweizerischen Förder-
instrument für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Damit die Anlage optimal genutzt werden kann, ist die KEWU AG aber nicht nur auf genügend Grüngut und Rüstabfälle aus den dreizehn KEWU-Gemeinden angewiesen, sondern vor allem auch auf Essensabfälle. Letztere sind insofern wichtig für den Vergärungsprozess, da sie besonders energiereiche Lieferanten sind. «Die Speisereste, das Grüngut sowie die Rüstabfälle werden in der Anlage energetisch und klimaschonend verwertet», so Bernasconi. «In einem Kilogramm Biomasse steckt mehr Energie, als man denkt. Damit kann man beispielsweise ganze zehn Minuten mit dem Bügeleisen arbeiten oder rund vierzehn Stunden eine LED-Lampe brennen lassen», erklärt Bernasconi.
Die Vergärungsanlage hat eine Kapazität von rund 12 000 Jahrestonnen. In den KEWU-Gemeinden werden pro Einwohner jedes Jahr mehr als 100 Kilogramm Garten-, Rüst- und Speiseabfälle gesammelt. Der daraus gewonnene Strom deckt den Stromverbrauch von ungefähr 400 Haushalten.
Wie funktioniert der Vergärungsprozess?
Die neue Vergärungsanlage hat nicht nur einen, sondern mehrere Vorteile. Einerseits kann Ökostrom produziert werden, andererseits entsteht durch den biologischen Umwandlungsprozess aber auch wichtiger neuer Kompost, der gerade in der Landwirtschaft oder in Gärtnereien sehr gefragt ist. Weiter entsteht durch die Verwertung des organischen Materials aber auch Wärme, die zur Heizung der Anlage sowie benachbarter Industriegebäude verwendet wird. «So kann der Stromkreislauf mit hochwertigem Kompost und der gewonnenen Abwärme wieder geschlossen werden. Bis diese drei Produkte schlussendlich aber genutzt werden können, sind viele kleine Schritte notwendig», so Bernasconi.
Zuerst wird der biogene Abfall aus den verschiedenen KEWU-Gemeinden angeliefert, dann gewogen, zerkleinert und allfällige Verunreinigungen wie Metall oder Plastik aus dem Grüngut entfernt. Einmal pro Woche werden die Grünabfälle dann in einen der vier Fermenter gefüllt und mit bereits vergärtem Material vermischt und luftdicht abgeschlossen. Zur Unterstützung des Vergärungsprozesses werden die Fermenter auf rund 55 °C erwärmt sowie mit Perkolat, einer gülleähnlichen Flüssigkeit, besprüht. Der ganze Vergärungsprozess dauert insgesamt vier Wochen. Durch den Stoffwechsel der Kleinlebewesen entsteht bei der Vergärung das Gas Methan, welches zur Produktion von Biostrom genutzt werden kann. Dieses Biogas wird dazu verdichtet und im Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Die daraus produzierte klimaneutrale Elektrizität wird ins Netz eingespeist. Der nach dem Vergärungsprozess zurückbleibende Abfall wird nachkompostiert, indem das Gärgut mit holzigem Material gemischt und in die über 60 Meter lange Rottehalle geführt wird. Erneut zersetzen Bakterien das Gärgut – daraus entsteht hochwertiger Kompost, welcher als hervorragende Grundlage für neue Pflanzen und Früchte gilt – der Kreislauf schliesst sich.
Kathrin Röthlisberger