Informativer Reformationsweg in Krauchthal
03.04.2017 Aktuell, Krauchthal, Kultur, GesellschaftIn einem gut besuchten Gottesdienst feierte die Kirchgemeinde Krauchthal das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. Weltweit wird in diesem Jahr der Geschichte der Reformation und Martin Luther gedacht.
In Krauchthal wurde ein Reformationsweg errichtet, der in zwölf doppelseitig beschrifteten Tafeln zur Zeitreise von der Vergangenheit in die Gegenwart einlädt. Lebendig, humorvoll und volksnah waren die Worte von Pfarrer Dr. Samuel Lutz, dem ehemaligen Synodalratspräsidenten der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.
95 Thesen publizierte Martin Luther, Augustinermönch und Theologieprofessor, um den Fehlentwicklungen in der römisch-katholischen Kirche seiner Zeit entgegenzuwirken. Diese Thesen waren an die Türe der Schlosskirche in Wittenberg genagelt. Entgegen Luthers Absicht kam es zur Kirchenspaltung und durch die Reformation zu einem der grossen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes: zur Bildung der evangelisch-lutherischen Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus.
Luther stellt den Prunk des Klerus, die Armut und Not des Volkes in den Vergleich zu den Geboten Gottes und dem Wort der Bibel. Gottes Gnade sollte nicht verhandelbar, Erlösung aus Fegefeuer, Erlass der Höllenqualen und kirchliche Ämter nicht käuflich sein. «Himmel und Hölle dürfen kein Geschäft sein», zitierte Pfarrer Samuel Lutz.
Glaube als Gottvertrauen
Seine Ausführungen, wie Prunk und Heiligenbilder aus den Kirchen zurück an ihre «Spender» verkauft wurden, der Erlös dann für Arme, Kranke und Bedürftige verwendet wurde, faszinierten. «Die Armen sind die wahren Bilder Gottes», soll Luther gesagt haben. Zusammen mit Huldrych Zwingli und Johannes Calvin kämpfte Martin Luther auch in der Schweiz für die Reformation: Erfolgreich, denn an der «Berner Disputation» von 1528 wurde über die künftige Ausgestaltung der Kirche verhandelt. Bern führte daraufhin die Reformation ein.
Geschichtsreise
Beeindruckend sind die Tafeln um die Kirche, die den langen Weg der Reformation symbolisch aufzeigen. In einzelnen Themen, in alten Zitaten, in Sprüchen der Reformatoren, in Erinnerungen an Ereignisse. Mitgestalter Ulrich Zwahlen (Heimatmuseum Krauchthal) rät, diesen Stationsweg in «Portionen» zu geniessen. Und es ist wirklich so, alles auf einmal ist so umfassend, dass man Gefahr läuft, wichtige, interessante Details zu übersehen. «En tolle Gschichtsparcours», freute sich eine Besucherin.
Kein Abendmahl rundete diesen Gottesdienst ab, sondern eine historische Erinnerung, ein «Wurstessen»: Mit einem öffentlichen Wurstessen in Gegenwart Zwinglis, im Haus des Druckers Christoph Froschauer wurde 1522 das katholische Fastengebot übertreten. Die Folge war damals ein Disput mit dem Konstanzer Bischof. In der Kirche Krauchthal kam es zu angeregten Diskussionen über die Reformation und zu Gedanken zum Weltgeschehen. Lob und Applaus für diese eindrückliche Feierstunde verdienten sich Pfarrer Samuel Lutz, Ulrich Zwahlen als Mitgestalter des Reformationsweges und der Kirchgemeinderat mit Rosmarie Wermuth.
Sylvia Mosimann