«Der Klarinettenmacher» aufersteht in neuer Form

  02.12.2015 Aktuell, Burgdorf, Kultur, Gesellschaft

Das vom Schweizerischen Blasmusikverband proklamierte «Jahr der Klarinette» bietet der Musikschule Region Burgdorf den idealen Rahmen, Johann Christoph Denner, dem eigentlichen Urheber der Klarinette, in angemessener Form zu gedenken.

Die Musik zur Oper «Der Klarinettenmacher» komponierte der Kapellmeister und Komponist Friedrich Weigmann (1869-1939). Das Libretto stammt aus der Feder von Georg Richard Kruse (1856-1944). 1913 wurde die Oper uraufgeführt und fand danach Aufnahme in verschiedenen Theatern Deutschlands.
Die Musikschule Region Burgdorf inszeniert das Stück in neu instrumentierter Form und bringt es unter der Regie von Ulrich S. Eggimann auf die Bühne. Die Musik Weigmanns ist in Harmonik und Rhythmik ganz im Stil der Spätromantik gehalten. Das Hauptthema der Oper bilden die Wirren um die «Erfindung» der Klarinette mit dem Protagonisten Denner. Wie üblich in der Opernwelt ist Denner verstrickt in Liebesgeschichten, die geprägt sind von Leidenschaft und Herzschmerz.

«D’REGION» unterhielt sich mit Matthias Egger, Verantwortlicher für das Bühnenbild, und Roger Bucher, welcher die Hauptrolle spielen wird.

«D’REGION»: Herr Egger, Sie und Valérie Soland sind zuständig für das Bühnenbild und die Kostüme der Oper «der Klarinettenmacher». Was gefällt Ihnen besonders an dieser Tätigkeit?
Es gibt keine Fotos und keine Youtube-Videos von den bisherigen fünf Aufführungen der wiederentdeckten Oper, sie ist also quasi ein weisses Blatt. Das lässt viel Raum für Interpretationen zu, was grundsätzlich sehr reizvoll ist.

«D’REGION»: Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen beim Erstellen des Bühnenbilds des «Klarinettenmachers»?
Wir müssen das Bühnenbild auf dem Dachboden der Musikschule herstellen, da wir erst ab Mitte Dezember ins Casino-Theater können. Das ist logis­tisch anspruchsvoll und bedingt eine genaue Planung.

«D’REGION»: Wie viel «Zeit» steckt ungefähr in so einem Bühnenbild und wie viele Helfer benötigen sie während der Aufführung der Oper?
Das ist genau das Problem, da das Bühnenbild ein Unikat ist, haben wir keinen Referenzpunkt. Sicher viel mehr Stunden als gedacht – aber es macht auch Freude und man lernt immer wieder dazu. Die Klasse 8a der Oberstufe Pestalozzi und ein Arbeitskollege sind die wichtigsten Helfer – ohne sie wären wir im Rückstand.

«D’REGION»: Herr Bucher, Sie werden die Hauptrolle, den Johann Denner spielen. Dieselbe Frage an Sie: Welche Herausforderungen stellt Denner Ihnen?
Die Oper oder vielleicht eher das Opernmärchen «Der Klarinettenmacher» erzählte mir beim ersten Kontakt keine Geschichte, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Befasst man sich aber intensiver mit dem Stück, stellt man fest, dass sowohl der Librettist wie auch der Komponist viele schöne und teilweise auch sehr komische Anekdoten eingebaut haben. Diese Momente herauszustreichen, ist für mich eine interessante Aufgabe. Das und die Tatsache, dass Herr Denner mengenmässig einiges zu erzählen hat in diesem Stück!

«D’REGION»: Was gefällt Ihnen besonders an der Rolle von Johann Denner?
Denner versucht im Geheimen und ohne grosses Aufsehen zu erregen, seinen grossen Traum – die Klarinette – zu verwirklichen. Er ist ein ehrlicher und aufrichtiger Mann, der sich aber leider allzu oft auch etwas selber im Weg steht. Das alles macht ihn zu einer liebenswürdigen und sympathischen Person, die ich gerne, so darzustellen versuche.

«D’REGION»: «Der Klarinettenmacher» ist eine Oper der Spätromantik. Wie stehen Sie zur Musik dieser Epoche?
Jede Epoche der Musikgeschichte hat Werke hervorgebracht, die qualitativ so gut sind, dass wir sie heute und auch noch in vielen Jahren spielen und hören werden.

Mir persönlich ist es sehr wichtig, mich nicht auf eine Epoche oder gar einen Komponisten zu fixieren. Die Diversität von Stilen und Epochen kann einen Künstler meiner Meinung nach nur weiterbringen. Die Spätromantik allerdings hat für mich einen
ganz besonderen Reiz. Die Farben, die Intensität und die wundervollen Melodien beispielsweise eines Puccini, Mahler oder Lehár berühren mich sehr.

Zu den Personen
Matthias Egger, Künstler, wurde 1964 in Burgdorf geboren und arbeitet als Real- und Gestaltungslehrer an der Oberstufe Pestalozzi in Burgdorf. Mit seiner Frau Valérie Soland arbeitet er zudem an verschiedenen Kulturprojekten. Egger schuf schon das Bühnenbild für das Musical «Cococicimaka» im Auftrag der Musikschule Region Burgdorf.

Roger Bucher, Bariton, holte sich an der Hochschule der Künste in Bern erfolgreich das Lehr- und Konzertdiplom. Zahlreiche Auftritte auf nationalen Opernbühnen in unterschiedlichsten Rollen. Als Konzertsänger Engagements im In- und Ausland in den grossen Werken von Bach (u.a. Johannespassion, Weihnachtsoratorium, h-moll-Messe). Roger Bucher lebt in Walkringen und steht in engem Kontakt mit der Musikschule Region Burgdorf.

red / zvg


Vorstellungen im Casino Theater Burgdorf
Premiere: Dienstag, 29. Dezember 2015, 20.00 Uhr. Silvester-Vorstellung: Donnerstag, 31. Dezember 2015, 20.00 Uhr, anschliessend Party mit musikalischer Unterhaltung im Foyer und im Casino-Restaurant – Eintritt frei. Derniere: Donnerstag, 7. Januar 2016, 20.00 Uhr. Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn in der Casinotheke. Preise: 1. Kat. 50.–, 2. Kat. 48.–, 3. Kat. 38.–, Kinder, Schüler, Studenten 50% Ermässigung in allen Kategorien. Ticket-Vorverkauf: Online: theaterburgdorf.ch; Buchhandlung am Kronenplatz (Ladenöffnungszeiten); Sekretariat Musikschule Region Burgdorf: Montag bis Freitag, 13.30 bis 16.00 Uhr.

www.musikschuleburgdorf.ch.


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